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Chronik der Stadt Minden

9 Die Römer unter Varus erleiden in der »Schlacht im Teutoburger Wald« durch die
beiderseits der Porta Westfalica ansässigen Cherusker unter Arminius eine vernich-
tende Niederlage
16 Ein römisches Heer unter Germanicus geht bei Minden über die Weser gegen die
Cherusker und ihre Verbündeten unter Arminius (Gespräch des Arminius mit seinem
im römischen Heere stehenden Bruder Flavus über die Weser hinweg, bei der Porta
Westfalica?); nach den Schlachten bei ldistaviso am Nammer Lager und ein Stück
weserabwärts am »Angrivarischen Grenzwall« sehen sich die Römer veranlaßt, ihre
Pläne einer Eroberung Germaniens bis zur EIbe endgültig aufzugeben
um 150 Der griechische Geograph Ptolemäus in Alexandria erwähnt Minden in seiner
Erdbeschreibung
753 Der Frankenkönig Pipin der Kleine dringt auf einem Feldzug gegen die Sachsen bis
nach Rehme und zur Weser vor
775 Während eines Feldzuges Karls des Großen gegen die Sachsen finden bei Lübbecke
(Lidbeki) Kämpfe statt
784 Karl der Große erreicht auf einem Feldzug gegen die Sachsen bei Petershagen (Huculvi)
die Weser; auf einem zweiten Zug gegen Jahresende berührt er Rehme, beim Zusam-
menfluß von Weser und Werre
798 Auf einem Feldzug gegen die Sachsen geht Karl der Große bei Minden über die Weser ,
nachdem er schon vorher diesen Ort auf seinen Kriegszügen mehrfach berührt haben
dürfte
Karl der Große hat den im Bereich des heutigen Domes gelegenen Haupthof des
Sachsenherzogs Widukind in Besitz genommen und sich damit sowohl den Weser-
übergang als auch den Zugang durch die Westfälische Pforte gesichert; Reste des
Hofes Widukinds standen in der Nähe des Domes noch bis 1613
In der Folgezeit entwickelt sich aus den an die Domburg angelehnten Ansiedlungen
von (Fern- )Kaufleuten und Handwerkern ein städtisches Gemeinwesen unter der Ver-
waltung des Bischofs als Stadtherrn ; vgl. um 1200, 1232
Unmittelbar am Weserufer liegt die Ansiedlung der Fischer und Schiffer, später
»Fischerstadt« genannt, eine Vorstadt, die noch im 18. jahrhundert ein weitgehend
selbständiges Gemeinwesen mit eigenem Bürgermeister und eigenem Rathaus ist
um 800 Karl der Große gründet in Minden ein Bistum; die Diözese umfaßt den Raum
zwischen Osnabrück und Hannover in west-östlicher und zwischen Verden an der
Aller und Holzminden an der Weser in nord-südlicher Richtung
803 Erkanbert (Herkumbert), der erste Mindener Bischof, wird namentlich genannt; um
diese Zeit entsteht an der Stelle des heutigen Domes die erste Kathedralkirche; der
Hauptaltar dieser und aller folgenden Domkirchen wird über einem vorchristlichen
Brunnenheiligtum errichtet (vgl. die Schreibweise Mimthum, Minithum in einer
urkundlichen Nachricht aus dem jahre 798)
852 Ludwig der Deutsche hält in Minden (Mimida) einen allgemeinen Gerichtstag ab
um 870 Der Dom erhält das älteste in Minden noch vorhandene Evangelistar; der zu-
gehörige Buchdeckel zeigt ein Elfenbeinrelief, im Domschatz, aus gleicher Zeit
924 Die Ungarn unternehmen einen großen Beutezug durch Italien und Frankreich,
kehren durch Franken und Niedersachsen zurück und streifen dabei durch das nord-
Östliche Westfalen; das Stift Herford und wahrscheinlich auch die Stifte Möllenbeck
und Obernkirchen werden überfallen und zerstört, Minden dagegen bleibt - vielleicht
wegen seiner geschützten Lage und seiner Befestigung - unbehelligt
947 Eine Feuersbrunst vernichtet Minden und den ersten Dombau
952 Der zweite, erweiterte Dombau wird von Bischof Helmward geweiht; erhalten ist
von diesem Bau der untere Teil des Westwerks
961 7. juni. Otto der Große verleiht BischofLandward von Minden die Immunität (Befrei-
ung von aller fremden Gerichtsbarkeit)
977 19. März. Kaiser Otto II. verleiht dem Mindener Bischof Milo den Königsbann (die
hohe Gerichtsbarkeit), ferner das Recht, hier Münzen zu schlagen, einen öffentlichen
Markt abhalten zu lassen sowie Zoll zu erheben; damit gehen alle Rechte, welche
der Kaiser in Minden noch hatte, von diesem auf den Bischof über
um 1000 Bischof Ramward verlegt das von Bischof Milo 993 auf dem Wittekindsberg an
der Porta gegründete Benediktinerinnenkloster nach Minden, damit entstehen hier
Kirche und Kloster St. Marien; an der ursprünglichen Stelle ist die »Margarethenklus«
noch erhalten
1003 Kaiser Heinrich II. besucht Minden, um von hier aus - ebenso wie seine nächsten
Nachfolger - Regierungsgeschäfte wahrzunehmen
1018 Herzog Bernhard derjüngere von Sachsen, der sich gegen Kaiser Heinrich II. erhoben
hatte, wird in der Schalksburg (Hausberge) vom Kaiser belagert; der Herzog unter-
wirft sich schließlich dem Kaiser und söhnt sich mit ihm aus
1024 Kaiser Konrad II. besucht Minden und feiert hier das Weihnachtsfest; er hält hier einen
Fürstentag ab und nimmt Huldigungen entgegen; weitere Besuche 1030 und 1033
1029 13. April. Kaiser Konrad II. bestätigt die von Bischof Sigibert vollzogene Gründung
des St.-Martini-Stifts
1039-1056 Kaiser Heinrich III. weilt dreimal in Minden
1042 Bischof Bruno gründet auf dem Werder zwischen den beiden Brücken das Benedik-
tinerkloster St. Mauritii
1062Während eines Besuches Kaiser Heinrichs IV., der in Minden das Pfingstfest (19. Mai)
feiert, bricht bei einem Streit zwischen dem kaiserlichen Gefolge und den Bürgern
ein Feuer aus, das Dom und Stadt zerstört
1071 Bischof Eilbert weiht den wiederaufgebauten, erneut erweiterten Dom; aus dieser
Zeit: das »Mindener Kreuz«, ferner im Domschatz der Reliquienschrein St. Petri und
das Armreliquiar der hl. Margarethe
1075 Die Marktkirche St. johannis Baptista, beim Stadtbrand 1062 zerstört und durch den
Mindener Bürger Volkmar wiederaufgebaut, wird geweiht
um 1075 Der Domdechant lco (1075 urkundlich erwähnt), wahrscheinlich aus Trier nach
Minden gekommen, gründet St. Simeonis; vgl. 1214
um 1075/1100 Neben dem wiederaufgebauten Dom entsteht der Domkreuzgang als zwei-
geschossige Anlage, wohl nach dem (durch den Domdechanten lco vermittelten)
Vorbild des Kreuzgangs des um 1050 gegründeten Stiftes St. Simeonis an der Porta
Nigra in Trier; in Minden ist die zweigeschossige Anlage im Ostteil des Kreuzgangs
noch erkennbar
1096 9. Februar. Die Edelherren vom Berge, als Schutzvögte des Stiftes Minden, mit Sitz
auf der Schalksburg (Hausberge), erstmalig erwähnt; das Geschlecht ist 1398 erloschen
um 1150 Das Nonnenkloster, spätere Damenstift, in Quernheim wird von dem Osnabrücker
Bischof Philipp von Katzenelnbogen gegründet; Quernheim gehörte damals und in
der Folgezeit zum Mindener Land
In Minden werden die Kirchen St. Marien und St. Martini in erweiterter Gestalt, mit
eingewölbtem Mittel- und Querschiff, erbaut; ebenso wahrscheinlich auch das Haus
Brüderstraße 2, jetzt Gaststätte »Alte Münze«, vermutlich ein »festes Haus« außerhalb
der damaligen Stadtbefestigung und Sitz des Propstes von St. Martini
1163 21. März. Kloster Loccum wird gegründet
1168 I. Februar. Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, wird im Mindener
Dom mit Mathilde, der Tochter König Heinrichs II. von England, getraut; er schenkt
dem Dom einen Hof in Lahde
um 1180 In Minden ist eine alljährlich stattfindende vierzehntägige Martinimesse bezeugt
1189 21. März. Kaiser Heinrich VI. verleiht Bischof Thietmar von Minden das Recht, die
kürzlich im Bistum Minden bei Dehem (Dehme, Kr. Minden) und bei Cruckeberge
(Krückeberg, Kr. Rinteln) entdeckten Silbervorkommen auszubeuten
um 1200 In Minden wird das Stift St. Johannis Evangelista gegründet, die St.- Johannes-
Kirche erbaut
Am nördlichen Rande des Mindener Marktes, dort, wo von den ursprünglichen Kern-
bereichen der städtischen Ansiedlung die Kaufmannssiedlung (um den Marktplatz)
und die Handwerkersiedlung (Scharn - Poos - Bäckerstraße) sich berühren, steht
wahrscheinlich bereits das »Alte Werk« des Rathauses
1214 I. Juni. Der Bau der Pfarrkirche St. Simeonis in Minden wird geweiht; vgl. 1594
und 1911
1221 Die Burg Reineberg, nahe Lübbecke, erstmalig erwähnt
1227 (März/ April ?) Das Zisterzienserinnenkloster, spätere Damenstift, in Levern wird von
dem Mindener Bischof Konrad von Rüdenberg gegründet
1232 Die Stadt Minden hat gegenüber dem Bischof weitgehende Selbständigkeit erlangt;
sie führt ein eigenes Siegel; ein Wochenmarkt wird eingerichtet
Die Weserbrücke in Minden erstmalig bezeugt; es handelt sich wahrscheinlich um
eine Holzkonstruktion auf steinernen Pfeilern ; vgl. 1594
um 1233 Das Dominikanerkloster St. Pauli an der Alten Kirchstraße wird gegründet; die
Klosterkirche wird 1260 geweiht
1246 22. Mai. Die Städte Minden, Münster, Osnabrück und Herford schließen sich im
Ladberger Vertrag zu wechselseitigem Schutz zusammen; dieser Städtebund ist einer
der Vorläufer der Hanse
1255 Die Stadt Minden tritt dem 1254 in Mainz abgeschlossenen großen rheinischen Bund
bei
1259 13. Februar. Bischof Widekind von Minden erwirbt vom Abt von Fulda durch Kautf
Stadt und Stift Hameln und behauptet seinen Besitz gegenüber den Hamelnern in
der Schlacht bei Sedemünder, Kr. Springe, 1260 Juli 28 (Sage vom Auszuge der Hamel-
ner Kinder)
1260 27. Oktober. Die Mindener Bürger büßen einen Aufstand gegen den Bischof durch
Geldstrafe und Bußgang
1261 Bischof Widekind von Minden erwirbt von den Grafen von Schaumburg die Graf-
schaft Stemwede (im Norden des heutigen Kreises Lübbecke); die dortigen Frei-
bauern erhalten 1263 die Rechtsstellung der Mindener Ministerialen
Bischof Kono von Minden, Nachfolger BischofWidekinds, verleiht der Stadt Wunstorf
das Mindener Stadtrecht und bestimmt, daß die Stadt Wunstorf in zweifelhaften
Fällen ihr Recht bei der Stadt Minden suchen solle; vgl. 1285
um 1261-1278 Der Domdechant Gerhard von Minden schreibt seine Fabeln, die ältesten
Fabeldichtungen in niederdeutscher Sprache
1264 22. Februar. Bischof Kono gestattet eine Erweiterung der Stadt Minden; der Stadtkern
erhält in der Folgezeit seine heutige Ausdehnung
1265 Das Dominikanerinnenkloster Lahde wird durch Widekind vom Berge gegründet ;
1306 nach Lemgo verlegt
um 1270 Das Langhaus des Domes erhält seine heutige Gestalt der gotischen Halle
Das »Neue Werk« des Mindener Rathauses mit der Rathauslaube wird errichtet;
Das Haus Brüderstraße 2 erhält gotische Maßwerkfenster (Hauskapelle des Propstes
von St. Martini?)
1277 13. Februar. Landfriedensbündnis der Stifte und Städte Minden und Herford, des
Grafen OttO von Ravensberg und der Stadt Bielefeld
1279 30. Januar. Bischof Volquin von Minden erhebt Lübbecke zur Stadt und erteilt allen
Unfreien, die nach Lübbecke ziehen und dort bleiben, Freiheit; in Lübbecke gilt
Mindener Stadtrecht
1280 19. Mai. Bischof Volquin überträgt Rodenbeck der Stadt Minden zu Eigentum
1285 24. August. Der Rat der Stadt Minden bezeugt, daß in Hannover bereits seit alten
Zeiten Mindener Stadtrecht gilt und daß die Bürger von Hannover (in zweifelhaften
Fällen) in Minden ihr Recht suchen und empfangen
1295 5. Oktober. Durch Verlegung von Neustadt am Rübenberge nach Lübbecke wird
hier das Stift St. Andreas begründet
13. Jh. Theateraufführungen in Minden bezeugt
1301 6. Januar. Die Stadt Minden gibt sich eine neue Verfassung, die bis 1711 in Kraft bleibt ;
das Schwergewicht liegt bei den Groß- und Fernhandelskaufleuten, die zunächst allein
ratsfähig sind
1306 I. Mai. Burg Petershagen gegründet; der um seine Sicherheit und Entscheidungs-
freiheit besorgte Bischof verlegt seine Residenz aus der Stadt Minden nach Peters-
hagen
1335 29. August. Bischof Ludwig von Minden gründet die Schlüsselburg
1338 25. Mai. Grundsteinlegung für die Neugestaltung der Seitenschiffe der Kirche St.
Martini in Minden; in der Folgezeit erhalten die Kirchen St. Marien und St. Martini
im wesentlichen ihre heutige Gestalt
um 1340/45 Der Maler Meister Bertram von Minden wird in Minden geboren (gestorben
zwischen 1410 und 1415 in Hamburg)
1342 Weserhochwasser; das älteste, von dem die Quellen berichten
1350 Pest, 24 Wochen lang
um 1350 Judenverfolgungen in Minden und Lübbecke
1351 Bischof Gerhard von Minden erwirbt Rahden von den Grafen von Hoya
1358 Minden gehört mit Dortmund, Soest, Münster, Osnabrück, Bremen, Braunschweig,
Hannover und anderen zu den ersten Hansestädten
1362/66 Petershagen wird zum Wigbold erhoben und erhält Lübbecker Recht; vgl. 1279
1370 9. Oktober. Der gelehrte Dominikaner Heinrich von Herford stirbt im Dominikaner-
kloster St. Pauli in Minden (geboren um 1300 in Herford)
1375 10. Februar. Weserhochwasser, das Wasser steht im Mindener Dom
1377 16.-18. November. Kaiser Karl IV. verweilt auf der Durchreise von Tangermünde
nach Aachen im Dominikanerkloster in Minden, um hier das Grab des Dominikaners
Heinrich von Herford zu besuchen
1379 26. Mai. Ein großes Unwetter zerstört alle Weinberge in der Mindener Gegend
1396 12. November. Der Mindener Altbürgermeister Heinrich Giseler stiftet ein Hospital
für arme Pilger und bedürftige Kranke; Gedenkstein von 1612 jetzt in der Eingangs-
halle des Rathauses
1400 Schlüsselburg wird zum Wigbold erhoben und erhält Petershagener Recht; vgl. 1362/66
um 1400 Der Kanoniker an St. Johannis in Minden, Eberhard von Zersen, schreibt »Der
Minne Regel« sowie verschiedene Minnelieder nieder
1405-1408 In der »Mindener Schicht«, einer Stadtunruhe, erreichen die Handwerker eine
stärkere Beteiligung am aktiven Wahlrecht zum Rat
1406 Die Mindener Bürgerschaft versucht, das Domkapitel zur Wahl eines ihr genehmen
Bischofs zu zwingen
um 1410/15 Der Chronist Hermann von Lerbeck, Dominikaner im Kloster St. Pauli in
Minden, gestorben (geboren um 1345 in Lerbeck, Kr. Minden)
1421 Das Kloster St. Marien in Minden wird in ein Damenstift umgewandelt
1430 26. Mai. Die Stadt Minden erwirbt das Ritterbruch, westlich der Stadt gelegen; eine
Folge dieses Erwerbs ist die heutige weite Ausdehnung des Stadtgebietes nach Westen ;
vgl. 1539
1435 27. März. Das Benediktinerkloster St. Mauritii wird wegen seiner Gefährdung durch
Weserhochwasser vom Werder zur Pfarrkirche St. Simeonis in Minden verlegt
1439 Pest
1451 31. Juli-10. August. Kardinal Nicolaus von Cues, als päpstlicher Legat, ordnet in
Minden die kirchlichen Verhältnisse
1460 In Minden ist eine städtische Leinenlegge bezeugt, wo die Leinwand, auch die vom
Lande kommende, geprüft und anschließend öffentlich versteigert wird
um 1460 Der Domherr Heinrich von Sloen genannt Tribbe (etwa 1410-1464) beschreibt
Stadt und Stift Minden; seine Niederschrift heute in der Staatsbibliothek Berlin
1464Neben der Pfarrkirche St. Simeonis errichten die Benediktiner die St.-Mauritius-Kirche
als Oratorium; der Bau der Kirche wird 1495 vollendet; vgl. 1806, 1950
1468-1471 Während einer großen Fehde zwischen den Grafen von Schaumburg und Bischof
Albert von Minden werden Minden und Lübbecke belagert; das Mindener Land wird
weithin verwüstet
1483 Bauarbeiten am Turm der St.-Marien-Kirche; aus dieser Zeit stammt der Stein mit
dem Wappentier (Fischotter) der Familie von Leteln, unter dem dritten Gesims an
der Südseite des Turmes
1484 Pest
1496 10. August. Ein großes Unwetter und »Erdbeben« bringt in Minden und im Mindener
Lande zahlreiche Bauwerke zum Einsturz
1503 Bei der Kirche St. Martini in Minden wird eine neue »Zeygerklocken« (Turmuhr)
erwähnt
1511 St. Martini erhält eine hohe Turmhaube
Im Herbst hält Bischof Franz I. von Minden ein vierzehntägiges Turnier auf dem
Mindener Marktplatz ab
1513 Vom 11. November 1512 bis zum 2. Februar 1513 ist infolge eines besonders strengen
Winters die Weser zugefroren; danach herrscht von Mai bis Oktober eine große
Dürre; später reißt ein infolge anhaltender Regengüsse einsetzendes Hochwasser die
hölzerne Weserbrücke von fünf steinernen Pfeilern; große Hungersnot
1519 April. Das Stift Minden wird in die Hildesheimer Stiftsfehde verwickelt und schwer
verwüstet; Bischof Franz von Minden läßt Petershagen und die Stiftsburgen Haus-
berge und Rahden verbrennen, um sie nicht in Feindeshand fallen zu lassen; sein
Vorhaben, auch die Mindener Vorstädte abbrennen zu lassen, scheitert am Wider-
stand der Mindener Bürger
Als Folge des Krieges bricht im Mindener Land die Pest aus
1521-1529 Die Reformation dringt nach Minden ein und setzt sich bald vollständig durch
1529 Seuche: »Engelländischer Schweiß« (Schweißfieber, sudor anglicus)
1530 13. Februar (Sonntag Septuagesimae). Die Mindener Kirchenordnung, verfaßt von
Nicolaus Krage, wird von der Kanzel der St.-Martini-Kirche bekanntgemacht
um den 25. Juni. Im Mindener Dominikanerkloster wird die erste evangelische höhere
Schule Westfalens, das heutige Altsprachliche Gymnasium, eröffnet; das Kloster wird
1539 aufgelöst; das Gymnasium verbleibt hier an der Alten Kirchstraße bis 1880
Die Burg Haddenhausen wird durch die Mindener eingenommen und zerstört;
Wiederaufbau um 1540, Neugestaltung 1613-1616
1532 Pest
1535 Der revolutionäre Reformator Nicolaus Krage wird aus Minden ausgewiesen
1536 Minden wird - als einzige Stadt Westfalens - Mitglied des Schmalkaldischen Bundes
1539 2. Januar. In Minden erhalten die Mitglieder der Ämter (Zünfte) neben den (bis dahin
allein ratsfähigen) Kaufleuten nunmehr auch das passive Wahlrecht zum Rat
23. August. Ein Schiedsspruch über die Nutzung des Ritterbruchs legt die Rechte der
Stadt Minden und der an das Ritterbruch angrenzenden Dörfer fest; in diesem Zu-
sammenhang entsteht die älteste Ansicht der Stadt Minden, der Porta Westfalica
und des westlich anschließenden Bereichs;
1543 4.-7. Februar. Die Stadt Minden gibt Bischof Franz II. von Minden in der Fastnachts-
zeit ein viertägiges Festessen mit Turnier
1544-1547 Der schwäbische Baumeister Jörg Unkair errichtet im Auftrage Bischofs Franz' II.
das Schloß Petershagen; Weserrenaissance; die Bauarbeiten werden durch die Kampf-
handlungen des Schmalkaldischen Krieges vorzeitig beendet; Nordflügel um 1565 ent-
standen, nochmalige Umgestaltung um 1610
1547 14. Februar. Die Stadt Minden, ohne Hilfe seitens des Schmalkaldischen Bundes, muß
sich ergeben und wird von den Kaiserlichen kampflos eingenommen
Das spätgotische Kaufmannshaus (»Hansehaus«) Papenmarkt 2 errichtet
1552 4. Januar. Kaiser Karl V. verleiht den Bürgern der Stadt Minden das Recht der freien
Schiffahrt auf der ganzen Weser
1553 13. Januar. Hochwasser überflutet die Mindener Weserbrücke und steht auf dem
Markt; anschließend bricht eine Seuche aus
I. Mai. Die Bürger der Marien- und der Simeons-Vorstadt ziehen wegen drohender
Belagerung durch Herzog Philipp Magnus von Braunschweig-Wolfenbüttel in die
Stadt, diese Vorstädte werden aufgegeben; dagegen bleibt die Fischerstadt, weil besser
geschützt, bestehen
Markgraf Albrecht von Kulmbach unternimmt einen Beutezug durch das Mindener
Land und belagert Petershagen (wenig später, am 9. Juli 1553 in der Schlacht bei
Sievershausen, wird er vernichtend geschlagen)
1561 Haus Voß am Johanniskirchhof in Minden wird erbaut
1568/69 Haus Ulenburg errichtet
1569 19. Januar. In Minden wird die Haube des Marienkirchturms durch Blitzschlag zer-
stört; beim Wiederaufbau des Kirchturms, an den ein Wappenstein Bischof Hermanns
(unterhalb des östlichen Zifferblattes) erinnert, wird der Turm um ein Geschoß mit
einer weiteren Fensterreihe aufgestockt, und die Haube erhält annähernd ihre jetzige
Gestalt
1573 25. April. Langwierige Streitigkeiten zwischen dem Bischof und der Stadt Minden
enden mit dem Lübbecker Rezeß im wesentlichen zugunsten des Bischofs
1576 3. März. Georg von Holle, kaiserlicher Oberst und bedeutender Söldnerführer, stirbt
in dem von ihm um 1551-1555 errichteten Haus Himmelreich bei Friedewalde; er wird
in Minden in der Kirche St. Marien beigesetzt, wo ein großes Epitaph an ihn erinnert
(geboren am 17. März 1514, in Hausberge?); Haus Himmelreich wurde um 1885 ab-
gerissen, Reliefs an der Kirche in Friedewalde
um 1592 Eine günstige Getreidekonjunktur ermöglicht das Entstehen zahlreicher Bau-
werke im Stil der Weserrenaissance; in Minden werden die Häuser Hagemeyer am
Scharn und Hill an der Bäckerstraße errichtet
1594 Die Kirche St. Simeonis in Minden erhält einen Turm; vgl. auch 1911
1594-1597 Die Mindener Weserbrücke erhält durch Meister Lüdeke aus Hamburg gewölbte
steinerne Bogen anstelle der bisherigen Holzkonstruktion; vgl. 1813
1598 Pest
1613 8. Januar. Das vom Stadtsyndicus Dr. Johann Averberg in systematischer Ordnung
zusammengefaßte Mindener Stadtrecht wird vor der auf dem Markt versammelten
Bürgerschaft verlesen und damit in dieser neuen Fassung in Kraft gesetzt
1622 Bauarbeiten an der Bunten Brücke, damals »Brücke am Ziegelhof« genannt (städtische
Ziegelei auf dem Werder vor Minden); wahrscheinlich erhält in diesem Zeitpunkt
auch diese Brücke steinerne Bogen, wie sie die Vogelschau von Wenzel Hollar (1657) zeigt
1625 15. August. Einzug der kaiserlichen Besatzung; kaiserliche Truppen halten Minden
während des Dreißigjährigen Krieges von 1625 bis 1634 besetzt
1627 24. März. Kaiser Ferdinand II. gewährt der Stadt Minden einen besonderen Schutz-
brief; als äußeres Zeichen erhält die Stadt den kaiserlichen Adler verliehen und führt
ihn seither neben den gekreuzten Schlüsseln des Stifts Minden in ihrem Wappen
12. August. Kaiser Ferdinand II. verleiht der Stadt die Stapelgerechtigkeit; seither muß
alles Getreide sowie Bau- und Flößholz, das auf dei Weser an der Stadt vorübergeführt
wird, hier drei Tage lang »gestapelt« und gegen den gemeinen Wert feilgeboten
werden
1630 Ostersonntag (28. März a. St. bzw. 31. März n. St.) Bischof Christian von Minden
verfügt mit Wirkung vom Ostersonntag an die Einführung des Gregorianischen
Kalenders; dieser bleibt jedoch zunächst nur bis 1633/34 in Kraft; vgl. 1668
1633 Das Mindener Land wird von den Schweden besetzt
1634 23. Juli - 10. November. Schwedische Truppen unter Herzog Georg zu Braunschweig-
Lüneburg belagern Minden; während der Belagerung muß Notgeld geprägt werden ;
am 10. November zieht die kaiserliche Besatzung ab
1635 13. Januar. Herzog Georg zu Braunschweig-Lüneburg setzt in Minden anstelle des
jährlich wechselnden einen »perpetuirlichen« Rat ein; die Bürgerschaft stellt jedoch
am 5. Juni 1637 den früheren Verfassungszustand wieder her
1639 5./15. Februar. Otto Wilhelm Graf v. Königsmarck als Sohn eines schwedischen
Generals in Minden geboren; als General in schwedischen, kurpfälzischen, französi-
schen und zuletzt als Generalfeldmarschall in venezianischen Diensten; gestorben
während eines Feldzugs in Griechenland 15. 9. 1688
1643 7.-8. Januar. Weserhochwasser; das Wasser steht so hoch, daß Schiffe unmittelbar
von der Brücke aus betreten werden können
1644 Schwedischer Wappenstein im Hause Lagemann und Schelken an der Bäckerstraße
1645 2. Mai. Königin Christine von Schweden, seit 1633/34 Landesherrin, erteilt der Stadt
Minden das »jus districtus seu territorii« innerhalb ihrer Landwehren und gibt Minden
damit die Stellung einer freien Stadt
1648 Durch den Westfälischen Frieden werden Stadt und Stift Minden als weltliches
Fürstentum (anstelle des erstrebten Vorpommern, das an Schweden fällt) dem Kur-
fürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (dem Großen Kurfürsten) zugesprochen ;
Bischof Franz Wilhelm, der 60. und letzte Bischof von Minden, wird zum Verzicht
gezwungen
1650 12./22. Februar. Die Landstände des Fürstentums Minden huldigen dem Kurfürsten
im Schloß Petershagen
13./23. Februar. Auch die Stadt Minden muß sich der Übermacht fügen, die Vertreter
der Stadt huldigen ebenfalls dem Kurfürsten in Petershagen
7./17. September. Die Stadt Minden wird durch den schwedischen Kommandanten
dem brandenburgischen Kommandanten übergeben
In Minden wird eine Reformierte Gemeinde gegründet
um 1650-1680 In Minden finden zahlreiche Hexenprozesse statt
1656 Frühjahr. Einer Pockenepidemie fallen in Minden mehr als 200 Kinder zum Opfer
1658 16. Februar. Weserhochwasser ; die Weserbrücke wird beschädigt
1659-1662 Das Mindener Rathaus erhält seine bis 1945 bestehende Gestalt, altes und neues
Werk werden unter einem Dach vereinigt
1664 Weserhochwasser; Hochwasserstein am Hause Oberstraße 68 mit einem Fisch
(Grimpe?), dem Wahrzeichen der Mindener Fischerstadt
1666 Der erste Buchdrucker in Minden (und im gesamten Minden-Ravensberger Lande),
Johannes Matthaeus Heddewig, aus Rinteln kommend, nimmt seine Arbeit auf
1668 2./12. Februar. Der Gregorianische Kalender (»neuer Stil«) wird durch einen beson-
deren kurfürstlichen Erlaß im Fürstentum und in der Stadt Minden wiedereingeführt ;
in diesem Jahre fällt der Sonntag Estomihi nach dem bis dahin hier geltenden Julia-
nischen Kalender (»alter Stil«) auf den 2. Februar, nach dem Gregorianischen Kalender
auf den 12. Februar; die Änderung wird dadurch herbeigeführt, daß der Sonntag
Estomihi nicht mehr als der 2. Februar, sondern als der 12. Februar gerechnet wird;
vgl. 1630
1669 Ende September. Die Regierung des Fürstentums Minden wird von Petershagen nach
Minden verlegt und bezieht hier den ehemaligen Bischöflichen Hof am Großen Dom-
hof (an der Stelle des heutigen Stadthauses)
1674 Die Weser bleibt bis in den März hinein gefroren, erst in der Osternacht beginnt der
Eisgang
6. September. Der erste Bau der Reformierten Kirche in Minden, auf dem Gelände
des Derenthalschen Hofes an der Ritterstraße errichtet, wird durch den Prediger
Johann Heukenroth eingeweiht; vgl. 1739
1679 Juni. Im »Holländischen Krieg« erobern die Franzosen nach zweimaligem vergeb-
lichem Sturm Hausberge; vor Minden werden die Franzosen zurückgewiesen
1682 7. Januar. Höchstes bekanntes Weserhochwasser; der Mindener Marktplatz kann mit
Kähnen befahren werden (der Hochwasserstein Ecke Bäckerstraße/Pulverstraße be-
findet sich heute nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle)
28. Juli. Der Schmiedeamtmeister Johann Stolte (um 1640-1713) wird im ersten Frei-
schießen bester Schütze; an Johann Stolte erinnert ein Inschriftstein an der Stelle der
ehemaligen zu dem 1865 abgebrannten Spital zum Hl. Geist gehörenden Mühle am
Simeonstor, den er als Provisor der Stiftung 1693 an der Mühle einfügen ließ
Aus dieser Zeit stammt vermutlich die ältere der beiden heute noch erhaltenen
Schützenkronen; vgl. 1733
20. Oktober. Der Mindener Director Musices und Cantor des Gymnasiums Otto
Gibelius, namhafter Musiktheoretiker und -pädagoge, seit 1642 in Minden tätig, hier
gestorben (geboren 1612 in Burg auf Fehmarn)
1685 14. Oktober. Namens des Großen Kurfürsten wird eine Prämie von 50 Talern für
den besten Schützen beim Freischießen gestiftet; die Prämie wird noch heute in dem
jetzt alle zwei Jahre vom Mindener Bürgerbataillon ausgerichteten Freischießen
verliehen
1705 11. Oktober. In Lübbecke vernichtet ein Stadtbrand einen großen Teil der Stadt, das
Rathaus und das Stadtarchiv
1706 König Friedrich I. läßt zum letzten Mal in Minden Münzen prägen; vgl. 977
1711 10. Juni. Die Mindener Stadtverfassung von 1301 wird suspendiert
1715-1718 Der »Mindische Bothe« erscheint als erste Zeitung in Minden; eine der ältesten
Zeitungen in Westfalen
1719 Die Grafschaft Ravensberg wird mit dem Fürstentum Minden verwaltungsmäßig
vereinigt
Das v. Huß'sche Haus in Minden, Pöttcherstraße 27, jetzt Stadtbücherei, wird gebaut
1720 20. Oktober. Der Rat der Stadt Minden richtet einen vierzehntäglichen Linienschiffs-
verkehr auf der Weser nach Bremen und zurück ein
1721 und 1722 Bauernunruhen in den Ämtern Petershagen und Rahden, gegen die Willkür
der Pächter der Domänenämter
1723 8. März. Die Kriegs- und Domänenkammer Minden als Verwaltungsbehörde für die
preußischen Länder Minden, Ravensberg, Tecklenburg und Lingen gegründet; die
seit 1669 ebenfalls in Minden ansässige Regierung bleibt daneben als Appellations-
gericht bestehen
14. Juli. König Friedrich Wilhelm I. hebt in Minden die autonome Stadtverfassung
endgültig auf und erläßt ein Stadtreglement
1727 8. Oktober. Der König erläßt auch für Lübbecke ein Stadtreglement
1733 Die Mindener Bürgerkompanien lassen mit dem für Schanzarbeiten erhaltenen Geld
die silberne (jüngere) Schützenkrone des Bürgerbataillons anfertigen; vgl. 1682
1739-1743 Die heutige Evangelisch-Reformierte Petrikirche wird an der Stelle des Baues
von 1674 errichtet und am 15. Dezember 1743 eingeweiht; der Turm wird 1896 hinzu-
gefügt
1744 6. März. Weserhochwasser
1746 Eine in der Nähe von Rehme zutage tretende Solquelle gibt in den folgenden Jahren
Veranlassung zur Errichtung der Saline Neusalzwerk, Vorläufer des späteren Bad
Oeynhausen; vgl. 1830 und 1860
1747 Die »rote« Ruhr fordert in Minden viele Opfer
1753 7. August. In Minden wird eine staatliche Leihe-Bank errichtet
1754 Am Weserufer vor der Fischerstadt wird eine neue massive Schlagde angelegt
1757 und 1759 Im Siebenjährigen Kriege wird Minden zweimal von den Franzosen einge-
nommen und besetzt
1759 I. August. In der Schlacht bei Minden werden die Franzosen von den Preußen und
ihren Verbündeten unter dem Oberbefehl des preußischen Heerführers Herzog Ferdi-
nand von Braunschweig entscheidend geschlagen und scheiden aus dem Kriege aus ;
Frankreich verliert im Zusammenhang mit dieser Niederlage seine nordamerikani-
schen Besitzungen an England; ein an der Schlacht beteiligtes englisches Regiment
begeht noch heute alljährlich den Tag der Rosen von Minden
1763 4. Juni. Friedrich der Große besucht Minden ; die veralteten Befestigungswerke werden
geschleift
1764 An der Alten Kirchstraße in Minden wird eine Zuckerfabrik errichtet. die ein Monopol
für die westlichen preußischen Länder erhält
1768 29. Juni. In Minden wird mit Rücksicht auf die Bedeutung der Mindener Messe ein
staatliches »Banco-Comtoir« für Minden-Ravensberg und die gesamten westlichen
preußischen Länder errichtet
1769 Der Buchhändler Johann Felix Carl Gsellius aus Celle gründet in Minden die erste
Buchhandlung in Minden-Ravensberg, die spätere Buchhandlung Körber & Freytag
1773 Die Haube des St.-Martini-Kirchturms brennt infolge eines Blitzschlags ab; beim
Wiederaufbau erhält das Turmdach seine heutige Gestalt
1774 23. Dezember. Ludwig Frhr. v. Vincke, erster Oberpräsident der Provinz Westfalen,
in der Domdechanei am Großen Domhof (wurde 1883 abgerissen, lag an der Stelle
des heutigen Postamts) geboren (gestorben am 2. Dezember
1844)
1783-1789 Wilhelm Bach, Enkel von Johann Sebastian Bach, ist in Minden als Musikdirektor
und Komponist tätig (geboren 1759 in Bückeburg, gestorben 1845 in Berlin)
1784 22. Juli. Der Astronom Friedrich Wilhelm BesseI im Hause Kampstraße 28 geboren
(gestorben am 17. März 1846 in Königsberg)
Gründung einer höheren Mädchenschule in Minden
1792 In Petershagen wird ein Lehrerseminar errichtet
1796-1802 Karl Frhr. vom Stein Präsident der Mindener Kammer, zugleich - mit Dienstsitz
in Minden - Oberpräsident aller westfälischen und niederrheinischen Kammern ; er
fördert Straßenbau, Landwirtschaft und Gewerbe
1798 21. Juni. Vincke wird zum Landrat für den Kreis Minden gewählt; er ist hier tätig
bis zu seiner Ernennung zum Präsidenten der Kammer in Aurich am 8. 10. 1803 ;
vgl. 1774
1799 24. Februar. Weserhochwasser, nur 3 Zoll niedriger als 1552; vier Bogen der Bunten
Brücke stürzen ein; Wiederaufbau 1799-1800 als Holzkonstruktion auf steinernen
Pfeilern
1806 13. November. Minden wird von den Franzosen besetzt; die Kirche St. Simeonis wird
Hospital, die Kirchen St. Mauritii und St. Johannis werden Magazine; vgl. 1950
1807 Nach dem Frieden von Tilsit (9. Juli) wird Minden dem »Königreich Westfalen«, mit
der Hauptstadt Kassel, einverleibt
1808 29. Februar. Die Regierung (Appellationsgericht) und am 31. März die Kammer in
Minden stellen ihre Tätigkeit ein; Verwaltung und Rechtspflege werden nach fran-
zösischem Muster umgestaltet
1810 13. Dezember. Das Mindener Land wird vom Königreich Westfalen abgetrennt und
dem Kaiserreich Frankreich zugeschlagen
Das Kloster St. Mauritii und die Stifte St. Marien, St. Martini und St. Johannis werden
aufgehoben, desgleichen die Stifte Levern und Quernheim
1811 Das Mindener Domkapitel wird aufgehoben
1813 3. November. Die fliehenden Franzosen sprengen zwei Bogen der Mindener Weser-
brücke; diese Bogen werden dann durch eine Holzkonstruktion ersetzt; bei diesem
Provisorium verbleibt es bis zum Neubau der Weserbrücke 1871-1874;
Vincke wird - mit Dienstsitz in Münster - Zivilgouverneur der westfälischen Länder ,
später Oberpräsident der neugebildeten preußischen Provinz Westfalen, zu der auch
das Mindener Land gehört
1815 1. Januar. Das anstelle der früheren Regierung (Appellationsgericht) in Minden er-
richtete Oberlandesgericht nimmt seine Tätigkeit auf
1816 1. August. Als Nachfolgerin der früheren Kriegs- und Domänenkammer Minden tritt
an deren Stelle die Regierung für den neu gebildeten Regierungsbezirk Minden
26. Oktober. Das Oberlandesgericht stellt in Minden seine Tätigkeit ein und wird
nach Paderborn verlegt
1. November. Die Landkreise des Regierungsbezirks Minden treten gemäß Verord-
nung der Regierung Minden ins Leben; die Stadt Minden, als Festung und Sitz der
Regierung mit 6574 Einwohnern, bleibt zunächst kreisfrei; der Kreis Minden (damals
noch ohne das Kirchspiel Rehme, das erst am I. 1.1832 dem Kreis Minden angegliedert
wurde) ist mit 33300 Einwohnern (ohne die Stadt Minden!) der bevölkerungsreichste
Kreis des ganzen Regierungsbezirks, der Kreis Rahden (der heutige Kreis Lübbecke,
jedoch ohne die Kirchspiele Hüllhorst und Schnathorst und die Gemeinde Ober-
bauerschaft, welche sämtlich erst am I. I. 1832 angegliedert wurden) hat 28600, der
Kreis Bielefeld (einschl. Stadt Bielefeld) hat 27900, der Kreis Paderborn (einschI. Stadt
Paderborn) hat 24700, der Kreis Herford (einschl. Stadt Herford) hat 21000 Einwohner
Das Mindener Konsistorium wird aufgehoben und mit dem Konsistorium in Münster
vereinigt
ab 1816 Die Stadt Minden wird wieder befestigt
1817 11. Juni. Die bisher kreisfreie Stadt Minden wird dem Landkreis Minden eingegliedert
1817-1853 Das »Sonntagsblatt«, herausgegeben und redigiert von Dr. med. Nicolaus Meyer
(geb. 29.12. 1775 in Bremen, gest. 24.2. 1855 in Minden), einem vielseitigen Regierungs-
Medizinalrat, der u. a. einen Briefwechsel mit Goethe pflegte, erscheint in Minden ;
vgl. 1826
1818 3. August. Der Turnplatz im Walde vor der Klus wird eingeweiht
1819 10./15. März. Das erste Dampfschiff auf der Weser, der »Herzog von Cambridge«,
passiert Minden auf dem Wege von Bremen nach Hannoversch-Münden
5. August. Das »Banco-Comtoir« für die Provinz Westfalen, 1768 für Minden-Ravens-
berg und die gesamten westlichen preußischen Länder errichtet, stellt in Minden
seine Tätigkeit ein und wird nach Münster verlegt
um 1820-1825 Der Wittekindsturm, später Moltketurm genannt, auf dem höchsten Punkt
des Wittekindsberges als Signalturm errichtet, wird mit Hilfe von privaten Spenden
bis zu einer Höhe von 50 Fuß gebracht und als Aussichtsturm eingerichtet
1823 10. September. Durch die in Minden von allen Uferstaaten der Weser abgeschlossene
Weserschiffahrtsakte wird die Freiheit der Schiffahrt auf der Weser von Hannoversch-
MÜnden bis zur Mündung ausgesprochen; alle Sonderrechte werden aufgehoben, an
die Stelle der verschiedenen Schiffahrtsabgaben tritt ein fester » Weserzoll« ; die Weser-
schiffahrt wird dadurch wesentlich erleichtert
1825 21. Januar. Die Regierung zu Minden gibt die Einrichtung eines »polytechnischen
Unterrichts« in Minden für junge Bauhandwerker bekannt; erste Fortbildungsschule
in Westfalen
8. Februar. Die »Westfälische Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Cultur«
wird in Minden gegründet; die Gesellschaft ist in verschiedene Sektionen gegliedert,
auf die Sektion für Geschichte und Altertumskunde geht der Mindener Geschichts-
und Museumsverein zurück; die Gesellschaft verfügt bald über eine ansehnliche eigene
Bibliothek; vgl. 1947
1826 31. März. Goethe wird durch Vermittlung seines Mindener Freundes Dr. Nicolaus
Meyer Ehrenmitglied der »Westfälischen Gesellschaft« in Minden
22. August. Das Theater, am Petrikirchweg in einer ehemaligen Scheune eingerichtet,
»Schauspiel-« oder »Comödien-Haus« genannt, wird eröffnet; 1854 wegen Baufällig-
keit wieder geschlossen
15. Dezember. Die »Städtische Sparkasse und Leihbank« in Minden wird gegründet;
von 1865 bis zur Wiedereröffnung am 1.10. 1898 mit Rücksicht auf die Kreissparkasse
vorü bergehend geschlossen
1828 Gründung des Mindener Musikvereins
1829 Die Simeonskaserne (»Defensionskaserne«) erbaut
18. Oktober- Das erste Wittekindsdenkmal Deutschlands wird auf Gut Wedigenstein
an der Porta Westfalica eingeweiht
1829-1830 Das Garnisonlazarett, heute Kreiskrankenhaus, errichtet; entstanden unter dem
maßgebenden Einfluß Karl Friedrich Schinkels (1781-1841), ebenso wie die Simeons-
kaserne, die Bäckerei und das Magazin; vgl. 1836
1830-1845 Unter Oberleitung des Oberbergrats Karl Frhr. v. Oeynhausen (1795-1865) wird
bei Rehme-Neusalzwerk in fünfzehnjähriger Arbeit eine Bohrung bis auf annähernd
700 m niedergebracht - damals die tiefste Bohrung der Welt - und eine wertvolle
Thermal-Heilquelle erschlossen; Badebetrieb seit 1839, Sommer 1845 die erste Saison
des neuen Bades, dem am 24. 8. 1848 der Name »Bad Oeynhausen« beigelegt wird ;
vgl. 1746 und 1860
1832 I. Januar. Die Stadt Lübbecke wird - anstelle von Rahden - Hauptort des nunmehr
nach dieser Stadt benannten Kreises Lübbecke und Sitz der Kreisverwaltung; gleich-
zeitig werden die bisher zum Kreis Bünde (1816 gebildet, 1832 aufgelöst) gehörenden
Kirchspiele Hüllhorst und Schnathorst und die Gemeinde Oberbauerschaft dem Kreis
Lübbecke angegliedert
1836 3. Januar. Die Bürgerschule an der Ritterstraße, eine »Mittelpunktschule« für die
ganze Stadt, dank der Initiative des Bürgermeisters Kleine 1834 begonnen, wird eröff-
net; Kleines Grabdenkmal wird 1854 auf dem Schulhof errichtet
Die Heeresbäckerei und das Proviantmagazin am Martinikirchhof werden erbaut ;
vgl. 1829/30, Schinkel
1837-1839 Der Kölner Erzbischof Clemens August Frhr. Droste zu Vischering (1773-1845,
Erzbischof seit 1835) in Minden in Festungshaft; »Kölner Kirchenstreit« über konfessio-
nell gemischte Ehen
1841 20.Januar. Weserhochwasser; weitere Hochwasser: 29.1. 1846, 11. 3.1881, 27.11. 1890,
7.2. 1909, 20.1. 1918, 3.1. 1926, 10.2.1946
1842 9. November. Der an den Dom angebaute, mit einer Durchfahrt versehene Südflügel
des Regierungsgebäudes in Minden am Großen Domhof (jetzt Stadthaus) brennt ab
1843 Die Weser-Dampfschiffahrts-Gesellschaft nimmt ihren Betrieb auf; 1842 in Hameln
gegründet
1847 15. Oktober. Die Köln-Mindener Eisenbahn wird auf der ganzen Strecke in Betrieb
genommen; das jetzige Empfangsgebäude des Bahnhofs (1846/47 erbaut) wird der
Öffentlichkeit übergeben
1849 31. März. Die Delegation des Frankfurter Parlaments (darunter Ernst Moritz Arndt),
die dem König von Preußen die deutsche Kaiserkrone antragen sollte, kommt durch
Minden und übernachtet im »Grünen Wenzel«
18. Mai. Einführung des elektrischen Telegraphen in Minden
24. Mai. Die Handelskammer in Minden konstituiert sich
18. Dezember. Ein »Generalrat für die Interessen und Angelegenheiten des Hand-
werks« wird errichtet; Vorläufer der Handwerkskammer
1850 I. Januar. Minden wird Sitz einer Oberpostdirektion für den Bereich des Regierungs-
bezirks Minden und für die preußische Post im Waldeckischen (vom 1. 7. 1869 bis
31. 12. 1875 zeitweilig aufgehoben und mit der OPD Münster vereinigt)
1855 30. Mai. Die »Kreisspar- und Darlehnskasse zu Minden« gegründet
1856 26. Januar. Der »Weserzoll« wird durch Vertrag zwischen Preußen, Hannover, Kur-
hessen und Bremen aufgehoben; vgl. 1823
21. Juni. Das »Kreisblatt für die Kreise Minden und Lübbecke«, seit dem I. I. 1919
»Mindener Tageblatt« genannt, beginnt zu erscheinen
1858 9. Juli. Franz Boas, später berühmter Anthropologe und Ethnologe in New York,
an der Kampstraße geboren (gest. 21. 12. 1942 in New York)
1859 1. August. Einweihung des Denkmals zur Erinnerung an die Schlacht bei Minden 1759
1860 1. Januar. Bad Oeynhausen wird zur Stadt erhoben; vgl. 1830
1861 8. Mai. Der Mindener Kaufmmann und namhafte Gelehrte Ernst Friedrich Mooyer
gestorben (geb. 6. 8. 1798 in Minden)
1864 I. Februar. Das Mindener Gaswerk, 1852 infolge Privatinitiative angelegt, wird von
der Stadt angekauft
Die Kettenbrücke über die Weser an der Porta wird von der 1857/60 errichteten
Eisenhütte »Porta Westalica« gebaut und später auch für den Personenverkehr frei-
gegeben, Brückengeld; Brücke gesprengt 3. 4. 1945
1865 Die »Bürger-Zeitung«, seit 1874 »Mindener Zeitung« genannt, beginnt zu erscheinen
(bis 30. 12. 1939 )
1871 25. Dezember. Das Theater in der Tonhalle wird eröffnet
1872 16. September. Die Malerin, Grafikerin und Schriftstellerin Ida Caroline Ströver auf
Gut Wedigenstein an der Porta geboren (gest. 2.2. 1955 in Minden)
1873 30. Mai. Die Festung Minden wird durch Reichsgesetz aufgehoben, die Rayonbeschrän-
kungen hören auf
1874 Der 1871 begonnene Neubau der Weserbrücke - Eisenkonstruktion mit nur einem
pfeiler im Flußbett und zwei Stromöffnungen - wird vollendet; vgl. 1813, 1915
Beginn der Entfestigung
1876 13. Juli. Der Dichter, Baudelaire-Übersetzer und Verleger Max Bruns in Minden
geboren (gest. 22.7. 1945 in Minden)
 1. Oktober. Die Dichterin Gertrud Freiin v. Le Fort in Minden geboren
1878 24. September. Die Stadt Minden kauft für 177600 Mark wesentliche Teile des Festungs-
geländes an
1882 17. Oktober. Die Landwirtschaftsschule in Minden wird gegründet
1883 Juni. Baubeginn der städtischen Kanalisation in Minden
1885 1. Juli. Der städtische Schlachthof in der Fischerstadt wird in Betrieb genommen ;
bestand bis 1967
1887 1. Juli. Das erste Ortsfernsprechnetz in Minden mit 34 Teilnehmern wird in Betrieb
genommen; seit 1898 auch Fernleitungen nach außerhalb
1888 1. April. Das erste städtische Wasserwerk in Minden wird in Betrieb genommen
1889-1890 Die Bunte Brücke erhält im wesentlichen ihre jetzige Gestalt, Verkehrsübergabe
am 22. 11. 1890
1892 Die Vinckestraße wird angelegt; der Große Domhof wird damit auch nach Osten,
zur Weser hin, geöffnet
1893 7. September. Die (zunächst private) Dampfstraßenbahn Minden-Barkhausen wird
in Betrieb genommen; sie wird 1914 von der Straßenbahn Minden GmbH. über-
nommen, um sie (seit 1924) zu elektrifizieren und weitere Linien auszubauen; der
Betrieb wurde am 31. 12. 1959 eingestellt
1896 18. Oktober. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg, 1892 begonnen,
wird eingeweiht; Bildhauer: Kaspar v. Zumbusch, Wien, Architekt: Bruno Schmitz,
Berlin
1898 3. Dezember. Die Strecke Minden-Petershagen-Uchte der Mindener Kreisbahn wird
in Betrieb genommen; es folgen: 1903 Minden-Eickhorst (1907 weiter bis Lübbecke),
1915 Minden-Wegholm, 1916 der Hafenanschluß, 1921 Minden-Kleinenbremen
1901 Die Eisenbahnstrecke Bünde-Lübbecke-Bassum wird in Betrieb genommen
18. Juni. Das Denkmal des Großen Kurfürsten am Mindener Wesertor wird enthüllt
(Bildhauer: Wilhelm Haverkamp, Berlin); zwei Tage später wird ein Zweitguß in
Kiel vor der Marineakademie enthüllt (im Zweiten Weltkrieg zerstört) ; seit dem
21. 10. 1949 befindet sich das Denkmal an seinem jetzigen Standort, neue Gestaltung:
Architekt Werner March, Berlin
1902 Bau des städtischen Krankenhauses in Minden an der Hardenbergstraße
1902-1906 Am Klausenwall wird ein neues Regierungsgebäude (seit 1949 Bundesbahn-
zentralamt) errichtet (Juni 1906 bezogen) ; das bisherige Regierungsgebäude am
Großen Domhof wird Stadthaus
1903 Zu Beginn des Jahres wird das städtische Elektrizitätswerk in Betrieb genommen;
am I. 10. 1913 in die EMR-GmbH. eingebracht
1908 4. Oktober. Das heutige Stadttheater an der Tonhallenstraße wird mit einer Auf-
führung der Iphigenie eingeweiht
1911 Die Kirche St. Simeonis erhält ihren jetzigen Turm; vgl. auch 1594
1912 Das Mindener Heimatmuseum wird von Max Matthey (1875-1951) im Hause der
ehemaligen Körber und Freytagschen Buchhandlung, Ritterstraße 23 (vgl. 1769), be-
gründet; Eröffnung am 20.9. 1922; jetzt Mindener Museum
1914 Die Überführung des Mittellandkanals über die Weser wird vollendet; 375 m lang,
12 m über der Weser, größtes Kanalbrückenbauwerk in Europa; Fertigstellung des
Rhein-Weser-Kanals am 13.11.1914
1915 16. Februar. Der Rhein-Weser-Kanal und die Schleusen zwischen Kanal und Weser
werden in Betrieb genommen
11. Mai. Die 1914/15 erbaute neue Weserbrücke, mit nur einer Stromöffnung, wird
dem Verkehr übergeben; es handelt sich um die noch heute in Gebrauch stehende
Brücke; vgl. 1874
2. September. Die Stadt Minden verkauft ihren Restanteil am Mindener Wald an
den Landkreis
1916 Im Herbst des Jahres wird die Strecke Minden-Hannover des Mittellandkanals in
Betrieb genommen
1921 Die Eisenbahnstrecke Minden-Nienburg wird in Betrieb genommen
Die Weser erreicht in diesem Jahr einen ungewöhnlich niedrigen Wasserstand
1924 Mai. Der erste hauptamtliche Stadtarchivar in Minden, Dr. Martin Krieg (1892-1962),
tritt seinen Dienst an
1927 Bau der Petersen-Brücke über die Weser bei Eisbergen
1928 Bau der Weserbrücke Uffeln-Vlotho
1932 I. April. Die Industrie- und Handelskammer Minden wird aufgehoben und mit der
Bielefelder Kammer vereinigt; vgl. 1849
1934 31. März. Die Oberpostdirektion Minden wird aufgehoben und im wesentlichen mit
der OPD Münster vereinigt; vgl. 1850
1938 Die Autobahnstrecke Ruhrgebiet - Hannover wird dem Verkehr übergeben
1943-1945 Während des Zweiten Weltkriegs fordern mehrere Bombenangriffe auf die Stadt
Minden zahlreiche Todesopfer unter der Zivilbevölkerung:
29. 12. 1943: Kampstraße, 29 Tote; 26. 10. 1944: Kanalüberführung (Kistenfabrik Gebr.
Busch), 65 Tote; 6. II. 1944: West- und Nordstadt, 108 Tote; 6. 12. r944: Innen- und
Oststadt, 34 Tote; 11.12.1944: KreisbahnhofKönigstor, 5 Tote; 28.3. 1945: Stadtkern,
171 Tote; ferner beim Einzug der Besatzungstruppen und in den nächsten Monaten:
15 Tote
1945 28. März. Besonders schwerer Bombenangriff auf den Mindener Stadtkern; Dom,
Rathaus und zahlreiche andere Gebäude werden zerstört
4. April. Von den abziehenden deutschen Truppen werden Kanalüberführung und
Weserbrücke gesprengt und Heeresbäckerei und Proviantmagazin in Brand gesetzt
1945-1949 Am 10.4. 1945 beginnend, müssen im Osten des Kreises Minden zunächst Lahde,
dann auch Bierde, Ilserheide, Raderhorst, Preußisch- und Bückeburgisch-Frille, Wie-
tersheim und Päpinghausen, sowie Cammer im benachbarten Kreis Stadthagen,
von der deutschen Bevölkerung geräumt und den Polen übergeben werden; als
letzte Gemeinde wird Lahde am 8. 9. 1949 wieder frei
Räumung auch von Teilen der Stadt Minden und von 2/3 der Stadt Bad Oeynhausen,
die bis 1955/56 Sitz des Hauptquartiers der britischen Rheinarmee wird
1946 10. Februar. Weserhochwasser
1946-1947 Das Verwaltungsamt für Wirtschaft, zuständig zunächst für die britische, dann
auch für die amerikanische Besatzungszone, hat seinen Sitz in Minden; nach dem
10. 6. 1947 nach Frankfurt a. M. verlegt
1947 2. Juni. Die Verlegung der Regierung von Minden nach Detmold wird angeordnet;
beim Umzug der Regierung wird auch die Bibliothek der »Westfälischen Gesellschaft«
mit überführt; vgl. 1825
Ende Juni. Die instandgesetzte Weserbrücke ist wieder benutzbar; vgl. 1915
1949 18. Februar. Der Mittellandkanal wird nach Wiederherstellung der Kanalüberführung
in Betrieb genommen; vgl. 1914
Gegen Ende des Jahres wird das Bundesbahnzentralamt (früher in Berlin) nach
Minden verlegt
1950 Das Diakonissen-Mutterhaus Salem-Köslin siedelt nach Minden über
17. Dezember. Die Kirche St. Mauritii wird nach Wiederherstellung als katholische
Kirche in Gebrauch genommen; vgl. 1806
1952 Juni. Der Bismarckturm auf dem Jakobsberg (Porta Westfalica) abgebrochen, der
Fernmeldeturm errichtet
1953 18. Oktober. Das erweiterte und neu gestaltete Mindener Museum wieder eröffnet
Die ev. Kirche St. Lukas in Minderheide (filia von St. Marien) geweiht
1954 29. Mai. Die Straßenbrücke über die Weser an der Porta Westfalica (Hohlkasten-
konstruktion, erste vollständig geschweißte Brücke Europas) dem Verkehr übergeben
Die ev. Kirche St. Markus in Leteln (filia von St. Marien) geweiht
1955 24. September. Das wiedererrichtete Mindener Rathaus wird eingeweiht; Architekt:
Werner March, Berlin
4. Juni. Die kath. Kirche St. Maria in Lahde geweiht
1957 29. Juni. Weihe des wiederaufgebauten Mindener Domes; Architekt: Werner March
1958 15. März. Die kath. Kirche St. Johannes Baptista in Petershagen geweiht
1959 Die auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsanstalt nach Kriegsende entstandene
Siedlung Espelkamp wird zur Stadt erhoben
2. Februar. Minden wird wieder Garnison
22. November. Die kath. Kirche St. Paulus in Minden geweiht
1960 10. November. Die kanalisierte Mittelweser dem Verkehr übergeben
1961 28. Mai. Die kath. Dreifaltigkeitskapelle an der Sedanstraße in Minden geweiht
1961-1966 Auf dem Königsplatz in Minden werden das Städtische Mädchengymnasium und
die Städtische Mädchenrealschule sowie Sporthalle und Aula für beide Schulen errichtet
1962 Januar. Zusammenlegung des Arbeitsamts in Minden mit dem Arbeitsamt in Hertfrd,
in Minden verbleibt lediglich eine Nebenstelle
September. Inbetriebnahme des ersten 100-MW-Blockes des Gemeinschattskraft-
werkes Weser in Veltheim; 2. Block mit 100 MW im März 1965,3. Block mit 300 MW
im März 1970 in Betrieb genommen
1963 I. Januar. Aus dem rechts der Weser gelegenen Ortsteil der Gemeinde Schlüsselburg
wird die Gemeinde Wasserstraße gebildet
29. Mai. Eröffnung des Hallenschwimmbads in Minden
18. Juni. Das ehemals v.Huß'sche Haus Pöttcherstraße 27 wird nach umfassender
Restaurierung als Stadtbücherei in Gebrauch genommen; vgl. 1719
15. Dezember. Die ev. Erlöserkirche am Unterdamm in Minden (filia von St. Martini)
geweiht
1964 20. Januar. Die Kreisberufsschule am Habsburgerring in Minden, gewerbliche Ab-
teilung, eingeweiht; vgl. auch 1967
3. Mai. Die ev. Kirche St. Thomas in Rodenbeck (filia von St. Simeonis) geweiht
18. Mai. Die ev. Kirche St. Matthäus aufdem rechten Weserufer (filia von St. Marien)
geweiht
1. Oktober. Die Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen in Minden eröffnet
1965 27. Juni. Die kath. Kirche St. Ansgar in Minden geweiht
1966 Der Museumshof in Rahden errichtet; Hofanlage aus dem Nordteil des Kreises
Lübbecke
November. Die Bauarbeiten an der neuen Straßenbrücke über die Weser bei Peters-
hagen werden aufgenommen
1967 Beginn der Arbeiten zur Verbreiterung des Mittellandkanals; künftig schiffbar für
Europaschiff 1350 t
18. März. Der neue Schlachthof an der Stiftsallee in Minden in Betrieb genommen ;
vgl. 1885
23. Mai. Die Kreisberufsschule in Minden, kaufmännische Abteilung, eingeweiht;
vgl. auch 1964
18. Juni. Das Melittabad eröffnet; entstanden dank der Initiative und einer Stiftung
des Mindener Fabrikanten Horst Bentz
30. Juni. Grundsteinlegung für den Neubau der Frauenklinik beim Kreiskrankenhaus
an der Portastraße
6. Juli. Grundsteinlegung für den Neubau der chirurgischen Klinik beim Stadt-
krankenhaus an der Bismarckstraße
1968 Beginn der Bauarbeiten an der Bundesautobahn Bad Oeynhausen -Osnabrück - Nieder-
lande
Der Landkreis Minden hat 200000 Einwohner
26. Juni. Gebietsänderungsverträge zwischen der Stadt Minden und ihren Rand-
gemeinden Dankersen und Hahlen; 31. August mit Stemmer, Todtenhausen und
 Kutenhausen; 7. Dezember mit Meißen (Zeitpunkt des Inkrafttretens noch offen)
29. September. Aufnahme des fahrplanmäßigen elektrischen Zugbetriebs auf der
Eisenbahnstrecke Hamm- Minden - Wunstorf
1969 12. März. Beginn der Bauarbeiten an der Mindener Nordbrücke, die in Verlängerung
der Ringstraße südlich der Kanalüberführung die Weser überqueren wird
Juni. Beginn der Bauarbeiten an der Straßenbrücke südlich Minden, die die neu
trassierte Bundesstraße 65 über die Weser führen soll
26. Juni. Gebietsänderungsverträge zwischen der Stadt Minden und den Gemeinden
Leteln und Aminghausen (Zeitpunkt des Inkrafttretens noch offen)
1970 10. Juli. Die 1969/70 auf vier Fahrspuren verbreiterte Bunte Brücke wird wieder dem
Verkehr übergeben
Der Neubau für die Kreisverwaltung Minden an der Portastraße in Minden wird
begonnen
Die Kreissporthalle Ecke Hahler Straße/ Bayernring in Minden wird eröffnet; Bau-
beginn 6. Oktober 1967; Fassungsvermögen 3000 Zuschauer
Das Haus Papenmarkt 2 in Minden wird wiederhergestellt
 

Aus:
Johann Karl von Schroeder: Minden und das Mindener Land in alten Ansichten.
Marowskys Buchhandlung gemeinsam mit Verlag Aschendorff. Münster. 1971.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

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